Ein feuchter Furz

Hallo mal wieder,

lang, lang ist´s her, da habe ich ein paar Zeilen geschrieben – Kurzgeschichten, Gedichte, Inhalte zu meinem Roman Mephisto. Und jetzt steige ich wie der Phönix aus der Asche hervor und mein Ziel ist es, euch zu unterhalten.

Das hier ist eine wahre Geschichte mit kleinen Übertreibungen.

Meine Frau Carina und ich haben drei Hunde. Die weiße Labrador-Dame Lilly, die schwarze Labrador-Dame Mira und den schwarzen Flauschknollbatzen Browny – Labrador-Eurasier-Mix (Das ist übrigens mein Liebling). Doch heute geht es um unsere älteste – Lilly.

Es dürfte jedem Hundeliebhaber ein Begriff sein, dass Labradore zu der Gattung „Canis Vorax“ (hündischer Vielfraß) gehört. (Gibt man diesen Begriff im Google-Übersetzer ein, lautet die Übersetzung übrigens „doglike Wolverine“ – interessant) Und unsere Lilly unterstreicht den Begriff eines Vielfraßes nur zu gut.

Sie ist normalerweise die Vernünftige, die fürsorgliche Mutti. Das mag vielleicht daran liegen, dass sie wirklich die Mutter von Mira und Browny ist. Das schmälert allerdings nicht meine Anerkennung zur ihr, dass sie die „brave Lilly“ ist. Wenn sie allerdings etwas anstellt, dann haut sie aus zwei Gründen richtig „auf die Kacke“.

  1. Es handelt sich hierbei darum, dass sie uns etwas wegfrisst. Ärgerlich genug, aber noch verkraftbar.
  2. Man fürchtet, dass unser Kuscheltier das nicht überlebt. Das ist kein Witz, den Labradore haben kein Sättigungsgefühl und würden fressen, bis sie buchstäblich platzen.

Und mit diesem Vorwissen beginnt nun die Geschichte.

Es fing alles damit an, dass ich für ein Sonntagsfrühstück gerne ein deftiges Brot esse. Ein Bauerbrot, um genau zu sein. Das wiegt bei unserem Bäcker ca. 3 Kilogramm. Ich kaufte also besagtes Gebäck und freute mich darüber, am nächsten Morgen in dieses würzige Aroma unseres saftigen Brotes hineinzubeißen, beschmiert mit Erdnussbutter und Himbeermarmelade. Schlaftrunken torkelte ich Sonntag früh also gerade den Flur entlang und grüße unsere Hunde und unseren Gasthund Gina.

Gina ist ein Develei (diese Senfmarke wird im original hinten mit y statt i geschrieben, aber ich möchte ja kein Copyright verletzen) Das heißt, da hatte jeder Hund schon seine Wurst drin. Auf deutsch: ein Mischling aus verschiedensten Rüden – nicht nachweisbar und außerdem aus Osteuropa mit dem herrlichsten Überbiss, den ich je gesehen habe. Sieht tatsächlich so aus, als würde sie die Zähne fletschen, ist aber eigentlich eine ganz liebe Hündin.

Ich erzähle deswegen so ausführlich von Gina, weil sie der Schurke #2 ist. Derjenige mit dem Dietrich. Das heißt, sie kann Türen öffnen. Unsere Hunde können das nicht. Daraus ergab sich leider, dass unsere Hunde unbewacht in die Küche eindringen konnten. Und dort wartete im hellen Schein des Sonnenlichts, verführerisch duftend und lockend unser Bauernbrot. Es musste den Namen unserer Lilly gerufen haben, denn sie – der Schurke #1 – stemmte sich auf die Hinterbeine, die Vorderläufe erreichten die Anrichte, auf der unser Brot wartete und – SCHNAPP – in wenigen Sekunden war es aufgefressen.

Woher ich weiß, dass das nur wenige Sekunden gedauert hat? Ganz einfach, weil ich unsere Hunde kenne. Die schlingen mit einer solch atemberaubenden Geschwindigkeit, dass es ein wahres Grausen ist. Jeder andere würde daran ersticken. Zweitens musste sie innerhalb von wenigen Sekunden das Brot hinunterschlucken, sonst hätte es ihr Mira wahrscheinlich streitig machen wollen.

So weit, so gut – das Brot war weg. Bevor ich das bemerkt hatte, schlich sich allerdings eine andere Merkwürdigkeit in mein Sichtfeld. Man erkennt ganz genau an Lillys Blick, wenn sie etwas „ausgefressen“ hat – im wahrsten Sinne des Wortes. Den gleichen Blick hatte sie aufgesetzt, als sie den Sonntagsbraten hinuntergewürgt hatte, an dem mein Vater ganze 3 Stunden für die Vorbereitungen gehockt hatte, als wir bei meinen Eltern zu Besuch gewesen waren.

Den gleichen Blick!

Ich fragte sie in schroffem Ton: „Was hast du angestellt?“ Sie lag auf dem Bauch und bewegte ihren Kopf hoch und runter, dabei vor und hinter. Das Zeichen, wenn sie sich unwohl fühlt. Trotzdem wedelt sie dabei immer mit dem Schwanz, aber das ganz schnell und die Bewegung geht immer nur vom Ansatz aus. Wie ein Scheibenwischer, der nur wenige Zentimeter nach links und rechts auspendelt. Ich konnte mir darauf noch keinen Reim machen und ging in die Küche, um unser Frühstück vorzubereiten.

Mit einem Schlag begriff ich alles!

Das Brot! Mein Brot! Mein leckeres Brot! Auf das ich mich so gefreut habe! Weg! Einfach weg! Und ich rief ihren Namen! „LILLY!“ Und rannte ins Wohnzimmer. Und da quälte sie sich auf und sah immer noch schuldbewusst drein. Doch plötzlich bemerkte ich, dass sie ihre Hinterbeine nur noch sehr langsam bewegen konnte. Sie hatte Schmerzen. „Oh je“, dachte ich mir. „Das sieht nicht gut aus!“

Dann kam auch meine Frau ins Zimmer und ich erzählte ihr von meinem Verdacht. Wir beschlossen, zuerst zu warten, ob sich der Zustand unserer Hündin verbesserte, doch das tat er nicht. Lilly konnte sich nicht mehr richtig bewegen und wir hatten eine schlimmen Befürchtung: entweder drückte der volle Magen auf die Nerven der Beine und bereitete ihr Schmerzen oder ihr Magen hatte sich verdreht. Und uns allen ist ja bekannt, dass Brot sich im Magen noch schön ausbreitet.

Wir zögerten nicht länger und verfrachteten unsere Lilly ins Auto. Normalerweise sprang sie alleine in den Kofferraum, diesmal mussten wir sie tragen. Wir mussten in die Tierklinik. Das war eine Fahrt von hinter Forchheim nach Nürnberg – knapp 50 km. Und während der langen Fahrt bangten wir um das Leben unserer geliebten Hündin.

Schließlich erreichten wir das Krankenhaus für Tiere. Ein Zettel hing an der Tür „Heute Operation, bitte nur Notfälle!“ Wir klingelten – das war schließlich ein Notfall. Uns wurde die Tür geöffnet und wir rannten hinein. Hastig erklärten wir, was vorgefallen war und welch schreckliches Szenario wir befürchteten. Lilly war bereits ganz aphatisch und blickte nur noch star geradeaus. Die Empfangsdame wies uns an, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Mit bangem Herzen hofften wir, dass wir nicht zu lange warten mussten.

Mussten wir nicht!

Genau drei Minuten waren vergangen und wir hörten das Geräusch, als würde ein Korken aus einer Sektflasche herausgepresst werden. Ich drehte mich zu Lilly um und sah die Bescherung. Ein Batzen von der Größe eines 3 Kilo großen Brotes lag auf dem Boden und darüber das A****loch unserer Hündin, die auf einmal quickfidel herumtapsen konnte.

Vor meinem geistigen Auge erschien ein Szenario: die Augen unserer Hündin bildeten eine Delle in ihrem Gesicht, wurden langsam aus ihren Höhlen gedrückt, während sich der After um das dreifache vergrößerte. Das Blut musste in ihren Kopf geschossen sein, der Rücken ein perfekter Halbkreis und dann – Pffffffffffopp – musste sie drei Meter in die Luft gesprungen sein, während in einer Zehntelsekunde einen Fladen herausgeschossen hatte, der mehr wog als ein neugeborenes Kind! Und unser Hund stand da, als wäre nie etwas passiert.

Das Ende vom Lied? Lilly wurde geröntgt, natürlich keine Magendrehung. Ein bisschen Material war noch im Darm, aber das würde sich an diesem Tag wohl auch noch lösen.

Ach ja, und eine saftige Rechnung von 200 Euro gab es auch noch – um das Happy End vollends abzurunden.

Manche Erfahrungen sind einfach unbezahlbar. Manche Vielfraße wohl auch.

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Ein Gedanke zu „Ein feuchter Furz

  1. Ari

    Ja, solche Momente genießt man wahrlich, auch, wenn das einige Jahre dauern wird, bis man wirklich darüber lachen kann 😉
    Schön geschrieben und vor allem unterhaltsam 🙂
    Da habe ich gleich mein Medienrechts-Zeugs zur Seite geschoben und mir eine Verschnaufpause gegönnt!

    Mein Kater ist auch gerade in mein Zimmer geschlichen, ich hoffe er fabriziert nicht ähnliches.
    Er ist genau so verfressen und fürchterlich faul, wenn es darum geht, einen geeigneten Platz zum Übergeben zu finden.
    Meist ist das das gemachte Bett meines Vaters, während er darin liegt.

    Gefällt 1 Person

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